ChangChung 01.05.2005
Hallo liebe Fleunde,
Ich bin jetzt seit zwei Wochen in ChangChun und kann jetzt nach intensivel Beschäftigung mit Email-Konten bei Schnellecke.com und Web.de und IP-Adlessen bei FAW, im Hotel und Schnellecke.com, Email nicht nul empfangen, sondeln auch an außelhalb des Schnellecke-Netzes senden.
Bisher gefällt es mir ausgesprochen gut, seit Mittwoch nachmittags ist die Montageline im Werk 2 angehalten worden, die beginnende Woche ist Urlaubswoche in China und wegen des Bora-Anlaufes bleibt die Montageline bis zum 18.05. stehen. So was wird alles kurzfristig entschieden. Außerdem gab es bereits einen Tag Produktionsstillstand, weil es reingeregnet hat. Trotzdem habe ich hier schon was geleistet unserem Partnerunternehmen, an dem Schnellecke sich beteiligen will, erklärt, wie die Buchungsprozesse im SAP-System funktionieren bzw. warum nicht. Die Inventur die wir daraufhin am Freitag gemacht haben dürfte als Ergebnis haben, daß Material für ca. 2 Produktionswochen fehlt. Und ob die Container auf dem Hof noch alle voll sind, wer weiß? Englisch kann man nicht voraussetzen, jede Angabe zu einem Sachverhalt, muß überprüft werden, oft ist es völlig anders. Meine Erkenntnisse zu dem Sollablauf im SAP-System beruhen auf reinem Selbststudium von Buchungssätzen.
Ansonsten war ich schon zwei mal Schwimmen, da spricht dann überhaupt keiner deutsch, gescheige denn englisch. Ich wünschte mir, das Wasser schmeckte nach Chlor, aber bisher habe ich es prollemlos überstanden. Im weißen Kittel wird die Wasserqualität gemessen, aber es ist relativ trübe. Schwimmhallen gibt es in ChangChun wohl genug, aber es ist schwierig sie zu finden, sie sind im Stadtplan nicht eingetragen. Drei weiter Hallen, die ich mir anschauen möchte, habe ich noch auf meiner Liste. Der Stadtplan enthält auch keine Straßennamen. Ich orientiere mich am Stand der Sonne, wenn sie scheint und zentralen Plätzen die ich wiedererkenne und finde so auch quer durch die Stadt zum Hotel zurück.
Canon Spieglereflex-Kameras sind hier nicht viel günstiger als in Deutschland, aber ein neues Modell, das vor meiner Abreise in Deutschland noch nicht im Handel war (Canon EOS 350D) gibt es hier in allen Kaufhäusern, also gut, daß ich mir vorher nicht die doppelt so teure EOS 20D (mit gleichem ca. 8 Mio. Pixel-chip) gekauft habe.
Für Aufnahmen vom Straßenverkehr oder für das Fahren mit öffentlichen Bussen wäre allerdings eine Filmkamera besser geeignet. Selbst mit meinen 7 Punkten in Flensburg (es waren schon mal 13) fühle ich mich dem Straßenverkehr hier nicht gewachsen, im Gegensatz zu Mexico oder Brasilien. Obwohl, es passiert relativ wenig, dennoch als Fußgänger ist man völlig ohne Rechte, wenn auch an den zahlreichen Zebrastreifen eigentlich die gleichen Regeln wie in Deutschland gelten. Die Wahrscheinlichkeit hier angefahren zu werden, halte ich für relativ groß. Auch in den Autos gibt es auf den hinteren Plätzen keine Anschnallgurte oder sie funktionieren nicht. Aufgrund der Verkehrsdichte und es Zustandes der frostgeschädigten Straßen ist aber zumindest im Stadtbereich die Durchschnittsgeschwindigkeit relativ gering, aber in der Nähe von FAW mit Tempo 100 auf der Gegenfahrbahn, dazu Radfahrer (auch ohne Rechte), Eselskarren, schwere LKW und Busse (sehr viele Rechte), Baustellen mit Umfahrung auf der Gegenfahrbahn aber ohne Hütchen oder Linien, das spräche für ein Hotel näher bei FAW als in der Innensstadt. Die ständige Hup-Kulisse hält auch nachts nur leicht abgemindert an.
Der Verkehr ist der einzige Punkt der mir mich hier stört. Ansonsten ist es sehr windig und sehr staubig, es knirscht auf den Zähnen und reibt unter den Augenlidern. Auf der Anreise habe ich mich bei 18 C gefragt, ob es richtig war die Wachsjacke und ein Fließ mitzunehmen. Es war richtig für die erste Woche. Gestern war es hingegen drückend warm, heute wieder relativ kühl und windig.
Heute war ich mit meinem Kollegen Nils am Kaiserpalast (Pu Yi), obwohl es ein ganz schönes Stück war, sind wir zu Fuß gegangen, man sieht einfach mehr als aus dem Taxi und das Leben am Rande der Stadt und der Schwerindustrie findet in kleinen Hütten statt, das Handwerk auf der Straße davor (in Brasilien würde ich mich in so ein Viertel nicht hineintrauen, hier mache ich mir keine Gedanken), während in der Innenstadt überall neue Hochhäuser wachsen. Wir sind dann von hinten über ein Bahngleis und eine Baustelle zum Palast.
Auch heute am 1. Mai, Feiertag der Arbeiterklasse, haben alle Läden auf und in den ärmeren Wohnvierteln sind Märkte und Flohmärkte, auf denen man auffällig viel Werkzeug kaufen kann, auch Pressen und Fräsmaschienen. Als Langnase wird einem hier noch nachgeschaut, insbesondere Nils mit seinen 1,97 m erregt aufsehen und darf häufiger mal für ein gemeinsamens Photo posieren. Ansonsten sind die jungen Chinesen im Durchschnitt auch nicht viel kleiner als ich es bin. Vom Typus her sind die Leute hier allerdings keine Han-Chinesen sondern sehen mehr mongolisch aus oder wie man Leute in Russland zu treffen erwartet.
Gestern als es so heiß war und ich schon schweißdurchnäßt unter dem Rucksack an der Schwimmhalle ankam bin ich nach dem Schwimmen für 13 Yuan mit dem Taxi zum Hotel zurückgefahren (das der Taxifahrer nicht den kürzesten Weg nahm, habe ich aufgrund meiner vorherigen Fußexpedition und des Stadplanes sofort beim losfahren erkannt, konnte oder besser traute mir es ihm nicht zu sagen, wahrscheinlich hätte er es verstanden und ich hätte ca. 3 Yuan ~ 0,30 € gespart), auf dem Hinweg habe ich aber auch ca. 4 – 8 Yuan an Frauen z.T. mit Kindern bezahlt, die sich mit einer Schüssel in der Hand vor einem auf die Knie werfen. Einige der Scheine die ich für 2 Yuan-Scheine hielt, waren aber wohl 0,20 Yuan-Scheine, es steht aber auch 2 (Jao?) drauf.
Daß ich nicht nach vier Wochen zurückkomme, das haben meine Vorgesetzten schon vor der Abreise gewußt, obwohl ich natürlich sagen könnte, das ich zurückreise. Meine Aufgabenstellung war von Deutschland aus relativ unklar, außer das ich operativ tätig werden soll (ich bin Theoretiker). Am ersten Tag habe ich daher die Lage gesichtet und einen operativ starken Kollegen in Dresden angerufen. Der hat mir gesagt was ich zu tun habe. Das habe ich dann am nächsten Tag bei der Geschäftsleitung unseres chinesischen Partners vorgetragen. Mir wurde ungefragt angeboten mein Visum zu verlängern, und man wisse wie es für einen Mann allein im Ausland sei, auch da könne man etwas für mich tun. Weil ich sagte, ich brauche für diese Aufgabe drei Monate (in Dresden haben wir dafür drei Monate gebraucht) erwartete man von mir die Zusage drei Monate ohne Unterbrechung zu bleiben. Insgesamt wird es wahrscheinlich länger. An salutierende Wachleute in der Firma und gebügelte Hemden im Hotel kann ich mich gewöhnen (18 Yuan ~ 1,80 €).
Auch an das Essen mit Stäbchen habe ich mich gewöhnt, es macht sogar richtig Spaß. Ich hatte erst vor einigen Monaten bei einem Japaner Sushi auf Anhieb fehlerfrei mit Stäbchen gegessen, aber ich hatte vergessen, wie ich die Stäbchen gehalten hatte. Jetzt hatte ich als erstes ein Nudelgericht, noch dazu glatte Stäbchen. Als erstes brachte mir die Bedienung ungefragt rauhe Stäbchen, dann aus Mitleid eine Gabel. Am nächsten Tag habe ich analysiert, wie es die Chinesen machen und am übernächsten Tag bei einem Geschäftsessen mit einem anderen potentiellen Partner habe ich die Geschichte von den Nudeln als Anekdote zum besten gegeben und durfte natürlich dort noch mal die Nudeln probieren (ohne Probleme) und den Schnaps, ich habe auch noch getrunken als der Gastgeber nur noch genippt hat, bin aber nach der ersten Vase auf Bier umgestiegen, während anwesende Frauen auch noch eine zweite Vase Schnaps getrunken haben. Ich hoffe, daß wird nicht öfter notwendig.
Leider sind beide Ergometer im Fitnessraum des Hotels kaputt und ein Fitnesstudio noch nicht gefunden. Ob sich ein Volk von Fahradfahrern für Spinning interessiert?
Ansonsten interessieren sie sich für alles, eine Besprechung die ich erwartete alleine mit dem Abteilungsleiter Produktionscontrolling (des Logistikuntenehmens) zu führen hatte ca. 8 Teilnehmer. Das wußte ich im Prinzip zwar vorher schon, aber daß es tatsächlich so kommt, hatte ich nicht gedacht. Im Lagerbereich scharen sich um jeden PC 2 – 4 Personen, an Personal mangelt es nicht. Zur üblichen Geschäftsausstattung im Restaurant oder auch beim Friseur gehört eine Kraft, die an der Tür wartet, diese aufhält und grüßt. Menschen überall.
Gluß
Jöln
PS: Wenn ich mir lieber einen kleinen handlichen digitalen Photoapparat mit ca. 5 Mio. Pixeln kaufen möchte, was für ein Modell würdet ihr mir empfehlen?
Donnerstag, 6. Dezember 2007
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