ChangChung, 28.05.2005
Hallo liebe Fleunde,
heute ist mir mal der Klagen geplatzt. Ich habe vom Fitnesscentel aus die attlaktive Assintent-Managelin in den hoteleigenen "Fitness-Club" kommen lassen, um ihl zu zeigen, was alles zu lepalielen ist:
- das eine Ergometer hat überhaupt keinen Tretwiderstand,
- das andere gewinnt nachdem ich es nach meiner ersten Beschwerde zwei Wochen benutzen konnte jetzt nach kurzem Antritt einen derartigen Tretwiderstand, daß selbst ich im stehen nicht gegen an komme.
- den Ellipsentrainer habe ich schon selber repariert.
- das Rudergerät hatte bereits eine gebrochene Fußplatte. Schon eine Woche bevor eines der Laufräder unter dem Rollsitz endgültig verloren ging, habe ich einen der ständig anwesenden Fitneß-Assistenten darauf aufmerksam gemacht, daß das Rad gebrochen ist.
- An der Kraftmaschine, die ich nur aus Neugier mal angefaßt habe, fand ich beim ersten Mal an einer der beiden Gewichtbatterien einen angeleinten Haltebolzen, auf der anderen Seite an der anderen Gewichtaufhängung nur die Leine, was aber darauf schließen läßt, das dort auch mal ein Bolzen war. Um auch die andere Seite mal auszuprobieren, habe ich den noch vorhandenen Bolzen von der Leine gelöst und auf der anderen Seite reingesteckt. Anstatt den fehlenden Bolzen durch einen alten Schraubendreher zu ersetzen, hat man in der Zwischenzeit nur die beiden Leinen entfernt. Das war wohl billiger.
Meine Wunsch, man möge doch nur die riesige flackernde Leuchtreklame "Fitneß-Club" auf der Fassade des Maxcourt-Hotels auszuschalten, das sei die billigste Lösung.
Was mich aber am meisten ärgert, ständig sitzt dort ein "Fitneß-Assistent" und sieht fern, ich war schon mal kurz davor Ihn rauszuschmeißen, als ich vor ihm auf der Rudermaschine schwitzte und er über mich hinweg sah. Jedesmal, wenn ich alle zwei Tage auf das funktionierende Ergometer stieg, war der Sattel auf der niedrigsten Position. Da der Tretwiderstand vorher schon relativ kräftig war, glaube ich nicht daß eine kleinere Frau den Sattel ständig herunterstellt. Es ist eher die bequemste Position vor dem davor aufgehängten Fernseher.
Bevor ich das erste mal ganz höflich (das war ich heute natürlich auch) gefragt hatte, ob die kaputten Ergometer repariert werden, da wußten die "Fitneß-Assistenten" schon seit wenigstens zwei Wochen, als ich das erste Mal da war (natürlich schon viel länger), daß die Ergometer kaputt sind. Nach dem Einsetzen einer Batterie konnte man wenigstens eines vorrübergehend benutzen. Eigentlich haben die Fitneß-Assistenten ein Super-Leben, kaum jemand im Fitneßraum (warum wohl), ich bin der einzige, der stört. Mit ein bißchen Wartung und Instandhaltung hätte das auch so bleiben können. Ich bin gespannt, ob ich den Fitneß-Assistenten wiedersehe. Kollegen hatten sich mal über einen Fahrer beklagt, der wurde nie wieder gesehen. Deswegen habe ich mich bisher auch zurückgehalten.
Nebenan ist das Shangri-La, keine 100 m weiter, mit Schwimmbad und sicherlich Top-Fitneßraum, das erste Haus am Platz. Dort steigen unsere Geschäftsführer und Prokuristen ab und wie ich durch Zufall gehört habe, wohl letzte Woche auch Herr S., der eigentliche Eigentümer des Unternehmens. Ich nehme mal an, Herr S. wußte wahrscheinlich gar nicht, daß eine seiner niederen Chargen auch in ChangChun weilt. Ich habe noch einen chinesischen Kollegen, von dem die Geschäftsleitung bis diese Woche dachte, er sei zusammen mit mir in Changchun, aber hier ist er schon vor vier Wochen abgereist. Er wohnt halt in Peking, dort haben wir ein Büro, aber keine Niederlassung, auch ein schönes Leben. Wie auch immer, ich vermisse ihn nicht. Als allerdings Herr S. hier war, da kam er eigens aus Peking für einen Tag angeflogen, auch er hatte wohl keine Zeit gehabt, sich mit mir zu treffen oder Herrn S. mitzuteilen, daß im etwas billigeren Hotel nebenan noch jemand für seine Firma im gewissen Sinne Lebenszeit vergeudet. Diesen Vorgang nehme ich zur Kenntnis.
Womit ich nicht sagen will, daß es mir hier überhaupt nicht gefällt, aber Privatleben findet nicht statt. Kommunikation ist so gut wie unmöglich, außer einem von jungen Leuten und Wachleuten freundlich entgegengebrachten "Hello" gibt es keine Gespräche. Während ich das hier schreibe, klingelt gerade das Telefon, die Assistent-Mangerin läßt den für den Fitneßraum zuständigen Recreation-Manager sich am Telefon entschuldigen, da mein Englisch auch nicht das beste ist, eine äußerst mühsehlige Angelegenheit.
Eine Digitalkamera habe ich bisher auch u.a. auch deswegen nicht gekauft, weil es schwierig zu erfragen, was eine Canon EOS 350 D ohne Objektiv kostet, Objektive habe ich. Es gibt Verkäuferinnen die fliehen, wenn ich mich Ihrem Tresen nähere. Sie wissen, sie sprechen kein Englisch, ich kein Chinesisch, ich habe bisher allerdings auch noch keine Anstrengungen unternommen, es zu erlernen.
Im Hotel wird nur an der Rezeption Englisch gesprochen, die niedlichen Mädchen aus dem Frühstücksraum und Restaurant grüßen zwar in Englisch und Japanisch, aber über ihre Standardsätze hinaus und Wünsche die sie auch bei einem Stummen erkennen würden, geht es nicht hinaus. Vor den Mai-Feiertagen, als das Hotel ganz leer war, hatte ich eine nette Ratestunde mit vieren von Ihnen. Ich wollte mir eine Apfelsaftschorle mischen, um nicht jeden abend Bier zu trinken, zumindest nach dem mein Kollege aus Deutschland, mit dem ich die ersten zwei Wochen hier war, abgereist war. Also apple juice und sparkling water. "Do you mean cold water?" No. "Hot Water?" No, "Water with Ice?", "Vodka?". Schließlich brachte eine von ihnen eine kleine Flasche stilles Wasser Evian. Schon fast gut, das ganze nur in grün bitte. (Ich hatte in einem anderen Hotel eine Flasche Perrier gesehen). Schließlich hatte eine einen Geistesblitz und holte tatsächlich aus einer Abstellkammer vier kleine Flaschen Perrier. Ein Flasche ist dann so teuer wie das ganze Essen. Zu meinem Glück stand tatsächlich "sparkling mineral water" auf dem Etikett und einige haben das in ihr kleines Büchlein geschrieben.
Als ich ein andermal einen Erdbeermilchshake bestellte, kannten Sie die auf der englischen Karte stehenden strawberrys nicht. Hat wohl auch noch nie jemand bestellt. Da die Getränkekarte Abbildungen enthielt, konnten Sie mit der Karte erst an der Rezeption nachfragen was strawberrys und anschließend in der Küche, daß Erdbeeren aus sind. Es gäbe Banane. Zwei Tage später bestellen wir dann gleich je einen Bananenmilchshake, es kommt: Erdbeere.
Der Lager-Leiter im Logistikzentrum spricht in meinen Augen zwar so gut oder schlecht Englisch wie ich auch, aber sobald es um Fachthemen geht, läßt er sich übersetzen. Außerdem wurde mir noch eine junge Frau vorgestellt, die außer der Dolmetscherin auch noch übersetzen könne, die einzige im ganzen Lager, die englisch spräche. Mit Ihr konnte ich immerhin einen Witz machen, als sie mich fragte, wie lange ich schon in China sei. For 10 days now, and you? 24 Jahre. Alle sind sind hier sehr jung und kommen z.T. direkt von der Schule oder vom Land. Ein Mitarbeiter kostet hier im Jahr ca. 3600 €.
Ich war also ziemlich blöd, mir im Kaufhaus eine Badekappe für 120 Yuan ~ 12 € zu kaufen, als mir beim dritten Mal in der Schwimmhalle aufgefallen ist, daß ich der einzige ohne Badekappe bin. Allerdings hatte mich darauf niemand angesprochen, wahrscheinlich, weil ich dort eine Sensation bin. Oder hat jetzt jemand was anders gedacht? Beim ersten Mal wurde ich nicht in die Herrenumkleide eingelassen, sondern in den Keller der Schwimmhalle geleitet und habe dort für 20 Yuan ~ 2 € auch Zugang zu einer Sauna (ich werde mich hüten), sowie ein kleines Handtuch und eine Unterhose nebst Zahnbürste, Seife, Shampoo und Kamm erhalten, ich wollte eigentlich nur schwimmen. Beim zweiten Mal saß eine andere Kassiererin am Tresen und nach dem ich gesehen hatte, daß mein Vordermann nur einen 10 Yuan-Schein hingelegt hatte, habe ich auch nur 10 Yuan hingelegt. Mir wurde dann einiges erklärt, auf chinesisch, und anschließend auch aufgeschrieben, auch auf chinesisch. Am Ende gab die Kassiererin auf und ich durfte in die Herrenumkleide, schlagartig alles still, 15 – 20 Männer in allen Stadien der Be- und Entkleidung vor Ihren Spinden schauen mich an. Erst hatte ich beeinflußt durch zwei wenige Jahre alte Artikel von China-Korrespondenten gedacht, die Ursache sei in China weit verbreitete Fremdenfeindlichkeit und die Befürchtung ein lawei (meist mit Ausländer übersetzt, aber richtiger ein Nicht-Han-Chinese, schließt die eigenen Nationalen Minderheiten mit ein) würde Ihnen das Wasser verschmutzen. Mittlerweile glaube ich nur, daß es so was wohl hier noch nicht gegeben hat.
Nachdem ich noch ein zweites Mal in die Herrenumkleide durfte, haben die beiden Kassiererinnen sich wohl verständigt, an der Kasse oben kein Geld mehr von mir anzunehmen und ich füge mich darein und gehe jetzt immer gleich in den Keller. Den Grund kenne ich bis heute nicht, vermute aber, daß Ihnen einfach nur der Zustand der Herrenumkleide oben peinlich ist. Unten ist es deutlich sauberer und es werden einem auch die Schuhe in den Schrank gestellt und da ich jeden zweiten Tag hingehe, werde ich freundlich mit hello und good bye begrüßt und verabschiedet. Auf die Unterhose nebst Zubehör verzichte ich stets freundlich.
Woran man sich gewöhnen muß ist das die Türen von Toiletten (System mediterrane) nicht geschlossen werden und das mir von meiner Grundschullehrerin Frau Sigesmund abgewöhnte Geräusch des Hochziehens in der Nase, hier allerdings dann noch gefolgt vom spucken, auch auf der Rolltreppe im Kaufhaus oder dem mit Teppichboden ausglegten Gang im Kulturpalast. Für diesen Zweck stehen in der Schwimmhalle anstelle einer Überlaufrinnne manchmal am Ende einiger Bahnen Eimer bereit, kann man benutzen, muß man nicht. Badelatschen sind zu empfehlen. Anschnallgurte werden auch selten benutzt, neulich hatte ich mal im Taxi auf dem Rücksitz einen funktionierenden Gurt gefunden. Zum Fahrer mit dem umgelegten Gurt in der Hand: Hao, gut. Beim Aussteigen mit Blick auf Hemd: schmutzig.
Gluß
Jöln
Donnerstag, 6. Dezember 2007
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