Mexico, 18.01.2008
Hallo liebe Freunde, noch ein Abenteuer: der Rückflug.
Beim Einchecken für den Rückflug (diesmal mit Aeromexico) von Leon/Guanajuato nach Mexico achte ich genau darauf, daß die Barcodekennzeichnungen an meinem Gepäck befestigt werden. Ich erhalte Bordkarten bis Hannover durchgehend. Die Bordkarten werden an die Flugscheine getackert, das Einreisevisa zur Abgabe bei der Ausreise an die Bordkarte von Mexico nach Amsterdam geheftet und die Belegabschnitte für das Gepäck auf die Bordkarte der letzten Teilstrecke von Amsterdam nach Hannover geklebt, sorgfältige Arbeit.
Der Anschlußflug von Mexico nach Amsterdam geht erst nach fünf Stunden Aufenthalt weiter, das reicht zum Umladen des Gepäcks in Mexico allemal, ich lasse mir beim Aussteigen Zeit, um in aller Ruhe über den Flughafen zu bummeln, zwei von den Passagieren meines Fluges umlagerte Flughafenmitarbeiter ignoriere ich, ich kenne mich ja aus. Nur merkwürdig, daß es keinen Hinweis auf internationale Flüge gibt. Diesen Bereich des Flughafens habe ich wohl doch noch nie gesehen, alles neu.
Eine Polizistin schneidet mir den Weg ab, kontrolliert meinen Paß und erklärt mir auf meine Frage, internationale Flüge gingen von Terminal 1. Ich möchte die Treppe runter gehen, unten durch die Halle mit dem Gepäckband, rechts, mit dem Fahrstuhl wieder hoch und den Aerotren, eine aufgeständerte Verbindungsbahn, zum Terminal 1 nehmen.
Unten in der Halle am Ende der Gepäckausgabe passiere ich einen Schalter von Aeromexico: Wo bitte ist der Fahrstuhl zum Aerotren? Gehen Sie geradeaus durchs Terminalgebäude, um die Ecke ist der Fahrstuhl zum Aerotren oder wenn der nicht fährt, nehmen Sie den Bus, der draußen vor dem Terminal wartet.
Ich finde den Fahrstuhl nicht, mein suchender Blick animiert eine Flughafenmitarbeiterin mich anzusprechen, zum Terminal 1? Nehmen sie den Bus, draußen vor dem Terminal. Also gut, dann eben den Bus. Busse jeder Größe sind auch da, viele und alle ohne Fahrzielangabe. Frage an einen Polizisten: Welcher Bus fährt zum Terminal 1? – Nehmen Sie den Aerotren, ganz einfach, ins Gebäude zurück, die Rolltreppe hoch, dann oben rechts. Auf der Rolltreppe werde ich auf englisch angesprochen: Do you know where is Terminal 2? – Sorry, I 'am searching for Terminal 1.
Oben angekommen die ersten Hinweisschilder: "Vuelos internationales" – "T1" – "Aerotren / Air Train". Durch die selbstöffnende Glastür, eine Flughafenmitarbeiterin beeilt sich, mir den Weg zu verstellen. Ich deute auf die Hinweisschilder, die Antwort: Nehmen Sie den Bus, unten, Puerta 4. - Aber da steht doch … - Der Aerotren fährt nicht, nehmen Sie den Bus, Puerta 4. Wieder runter zur Bushaltestelle, diesmal frage ich keinen Polizisten, sondern einen anderen mit Batch gekennzeichneten Mitarbeiter, der klappert mit mir gemeinsam einige Busse ab und fragt die Fahrer. Mit mir als einzigem Passagier geht es um den Flughafen herum zum Terminal 1.
Nach einer kleinen Pause im Aufenthaltsbereich von Terminal 1 beschließe ich durch die Sicherheitskontrollen zum Abflugbereich zu gehen. Noch drei Stunden Zeit, aber sicher ist sicher. Dort finde ich Aufklärung: Plakate weisen auf das neue Terminal 2 hin und dessen gegenwärtige Inbetriebnahme, an der ich offenbar teilhaben durfte. Die Fluglinie mit der ich gekommen bin, Aeromexico, operiere ab dem 15. Januar, also erst seit drei Tagen, aus dem neuen Terminal. Das erklärt die orientierungslosen Reisenden und die vielen Flughafenmitarbeiter, die ihnen dort ungefragt kreuz und quer durch das unausgeschilderte Terminal helfen. Continental Airlines hätte auch am 15. Januar umziehen sollen, ist aber offensichtlich in Terminal 1 geblieben, warum wohl?
Vor der Sicherheitskontrolle steht noch breitbeinig die Paß- und Bordkartenkontrolle. Man könne mich mit dieser Bordkarte hier nicht durchlassen. Wieso? Hier steht doch Gate G25, hier ist G. Der Flug sei verlegt, gehe jetzt von Terminal 2. Das bezweifele ich, halte ich jetzt zumindest nicht für ganz unglaubwürdig, zumal der Flug noch nicht angezeigt wird. Bevor ich aber wieder zurück zum Terminal 2 fahre, schaue ich nach, ob der KLM-Schalter noch da ist, wo er immer war. Ja der Flug wurde verlegt, von Gate G25 nach Gate G22, aber weiterhin Terminal 1. Das neue Gate wird mit Kugelschreiber auf die Bordkarte geschrieben.
Zurück zur Paßkontrolle, diesmal den Eingang auf der anderen Seite, andere Polizistin, andere Auskunft. Die Bordkarte sei von Aeromexico ausgestellt und (wohl seit deren Umzug am 15. Januar) nur im Terminal 2 gültig, nicht in Terminal 1. Ich erkläre: die Bordkarte ist zwar von Aeromexico ausgestellt, aber es ist eine Bordkarte für einen internationalen Flug mit KLM nach Amsterdam, der geht von hier, Terminal 1, Gate G22! Ein Vorgesetzter wird hinzugezogen, ich brauche eine neue Bordkarte von KLM.
Wieder zu KLM, vor der Economy-Klasse hat sich bereits eine lange Schlange gebildet, ich nehme jetzt den Business-Schalter. Es gibt neue Bordkarten für Mexico – Amsterdam und Amsterdam – Hannover.
Zurück zur Sicherheitskontrolle, nach passieren des Metalldetektors bemerke ich, daß ich meinen Gürtel gar nicht aus der Hose genommen habe, manche Geräte quittieren sogar die Schnallen meiner Wanderstiefel mit Signal, meine Gürtelschnalle jedenfalls wurde noch nie ignoriert. Diese Schleuse (Gate G, linker Eingang, rechtes Gerät) ist entweder vollkommen unempfindlich oder kaputt.
Beim Einstecken meiner Bordkarte stelle ich fest, daß ich mit dem Umtausch der Bordkarten von Aeromexico auch meine beim Einchecken in Leon darauf geklebten Gepäckbelege abgegeben habe. Damit hat die Reise das Potential, so zu enden, wie sie angefangen hat, ohne Gepäck.
Wenigstens ist der Aufenthalt von fünf Stunden Dauer nicht so endlos langweilig geworden, wie ich befürchtet habe.
Gruß
Jörn
Jörn Jaenecke
Freitag, 18. Januar 2008
Silao, 17.01.2008
Hallo liebe Freunde,
Zum Abschluß werden Werner und ich noch zum Essen eingeladen. Eine relativ teure Flasche Tequilla nehme ich als ein Zeichen der Wertschätzung und ich möchte ja kein Spielverderber sein.
Anschließend folgt das Damenprogramm im „Caballo Negro“ mit einer weiteren Flasche Tequilla, ich möchte ja kein Spielverderber sein, während die Künstlerinnen mit Bodenturnen auf dem Laufsteg und an den darauf befestigten Stangen ihre Beweglichkeit demonstrieren. Eine war richtig gut und konnte die Stange kopfüber bis zur Decke hochklettern. Aus meiner Sicht traten zunehmend Zwillingspärchen auf, die sich noch dazu im schummrigen und zugleich pulsierenden Licht ruckartig bewegten. Bei der anschließenden Einzelbetreuung verlasse ich mich daher lieber auf meinen Tastsinn.
Wirtschaftlich wird der Umsatz über die Getränke gemacht, zu denen die Dame auf dem Schoß regelmäßig auffordert, Tanzen kostet 120 Peso extra, ich bin froh, daß ich sitze und einen festen Punkt an der Wand anschauen kann, sich drehendes Licht ist mir noch nie gut bekommen.
Eine weitere Einnahmequelle findet der Tastsinn der Damen in Werners verschwundenem Portemonnaie. Werner, der den Türsteher locker überragt (sind hier alle nicht so groß), macht glaubhaft, daß er zwar die Rechnung zahlen, nicht aber ohne sein Portemonnaie gehen würde. Ich nehme meine Brille ab. Die Situation entspannt sich, als einer der Kellner ein rein zufällig gefundenes Portemonnaie bringt, es fehlen zwar 900 Peso ~ 60 €, die Kreditkarte ist aber noch vorhanden. Damit kann Werner noch 2600 Peso zahlen, er weiß aber am nächsten Tag gar nicht warum und wofür. Ich habe nur meine Vermutung.
Ich habe den Eindruck, die meisten Gäste im Club waren ganz schön betrunken. Draußen fährt ein neu ankommender Gast beim Einparken auf ein vor dem Gebäude geparktes Auto auf, bevor er ganz zum halten kommt. Unser Projektleiter kann kaum noch gehen, Gott sei dank ist er mit dem Auto da.
Beim Frühstück beschließen wir, uns wieder hinzulegen und erst mittags in die Firma zu fahren, um uns zu verabschieden. Einige unserer mexikanischen Begleiter vom Vortag sind heute krank. In der Firma hat man gar nicht mit uns gerechnet, sondern dachte aufgrund eines Mißverständnisses, wir flögen heute morgen schon nach Hause. Das wirft allerdings Fragen nach der Terminierung dieser Abschiedsfeier auf, heute morgen hätte ich unmöglich fliegen können.
Die Teilnahme an derartigen Veranstaltungen zur Festigung des Zusammenhalts oder der Beziehungen zum Kunden wird von mir erwartet und mache ich mit, um mich nicht auszuschließen oder durch Ablehnung einer freundlich gemeinten und mitunter aufwendig dargebrachten Geste die gute Beziehung zu stören, aber ich glaube, daß war das letzte mal. Die Probe aufs Exempel kommt vielleicht schon bald: mein Arbeitgeber hat für dieses Jahr einen Beratungsauftrag erhalten: in einem LKW-Werk in Rußland.
Gruß
Jörn
Hallo liebe Freunde,
Zum Abschluß werden Werner und ich noch zum Essen eingeladen. Eine relativ teure Flasche Tequilla nehme ich als ein Zeichen der Wertschätzung und ich möchte ja kein Spielverderber sein.
Anschließend folgt das Damenprogramm im „Caballo Negro“ mit einer weiteren Flasche Tequilla, ich möchte ja kein Spielverderber sein, während die Künstlerinnen mit Bodenturnen auf dem Laufsteg und an den darauf befestigten Stangen ihre Beweglichkeit demonstrieren. Eine war richtig gut und konnte die Stange kopfüber bis zur Decke hochklettern. Aus meiner Sicht traten zunehmend Zwillingspärchen auf, die sich noch dazu im schummrigen und zugleich pulsierenden Licht ruckartig bewegten. Bei der anschließenden Einzelbetreuung verlasse ich mich daher lieber auf meinen Tastsinn.
Wirtschaftlich wird der Umsatz über die Getränke gemacht, zu denen die Dame auf dem Schoß regelmäßig auffordert, Tanzen kostet 120 Peso extra, ich bin froh, daß ich sitze und einen festen Punkt an der Wand anschauen kann, sich drehendes Licht ist mir noch nie gut bekommen.
Eine weitere Einnahmequelle findet der Tastsinn der Damen in Werners verschwundenem Portemonnaie. Werner, der den Türsteher locker überragt (sind hier alle nicht so groß), macht glaubhaft, daß er zwar die Rechnung zahlen, nicht aber ohne sein Portemonnaie gehen würde. Ich nehme meine Brille ab. Die Situation entspannt sich, als einer der Kellner ein rein zufällig gefundenes Portemonnaie bringt, es fehlen zwar 900 Peso ~ 60 €, die Kreditkarte ist aber noch vorhanden. Damit kann Werner noch 2600 Peso zahlen, er weiß aber am nächsten Tag gar nicht warum und wofür. Ich habe nur meine Vermutung.
Ich habe den Eindruck, die meisten Gäste im Club waren ganz schön betrunken. Draußen fährt ein neu ankommender Gast beim Einparken auf ein vor dem Gebäude geparktes Auto auf, bevor er ganz zum halten kommt. Unser Projektleiter kann kaum noch gehen, Gott sei dank ist er mit dem Auto da.
Beim Frühstück beschließen wir, uns wieder hinzulegen und erst mittags in die Firma zu fahren, um uns zu verabschieden. Einige unserer mexikanischen Begleiter vom Vortag sind heute krank. In der Firma hat man gar nicht mit uns gerechnet, sondern dachte aufgrund eines Mißverständnisses, wir flögen heute morgen schon nach Hause. Das wirft allerdings Fragen nach der Terminierung dieser Abschiedsfeier auf, heute morgen hätte ich unmöglich fliegen können.
Die Teilnahme an derartigen Veranstaltungen zur Festigung des Zusammenhalts oder der Beziehungen zum Kunden wird von mir erwartet und mache ich mit, um mich nicht auszuschließen oder durch Ablehnung einer freundlich gemeinten und mitunter aufwendig dargebrachten Geste die gute Beziehung zu stören, aber ich glaube, daß war das letzte mal. Die Probe aufs Exempel kommt vielleicht schon bald: mein Arbeitgeber hat für dieses Jahr einen Beratungsauftrag erhalten: in einem LKW-Werk in Rußland.
Gruß
Jörn
Silao, 13.01.2008
Hallo liebe Freunde,
Was mache ich sonst, wenn ich nicht nach meinem Gepäck fahnde oder als Tourist unterwegs bin? Ich laufe im GM-Werk herum und stelle dumme Fragen:
- Que hace en caso de falla del heramiento electrico? Was geschieht bei Ausfall diese Schraubers?
- Utilisamos el herramiento de emergencia, dann wird mit dem Ersatzwerkzeug gearbeitet.
- Por favor, puedes mostrar melo? Darf ich das mal bitte sehen?
Am ersten Werktag im neuen Jahr Bandstillstand an der Endmontagelinie, weil GM beim Nachmessen der Drehmomente einer sicherheitskritischer Verschraubung (Beifahrer-Airbag) Meßwerte außerhalb der Toleranz fand. Als letzten Freitag, mein erster Tag vor Ort, bereits für das neue Jahr vormontiert wurde, ist mir entgangen, daß dies unter Umgehung der automatischen Meßwertüberwachung geschah. Die Quittung: drei fehlerhafte Verschraubungen. In diesem Falle der bewußten Umgehung hätte genauso wie bei Ausfall der Meßwertüberwachung mit einem manuellen Drehmomentschlüssel nachgemessen werden müssen.
- Warum ist das nicht geschehen?
- Ja, das Werkzeug war zur Kalibrierung.
- Aber was macht Ihr, wenn der elektrische Schrauber ausfällt? Dann wird doch dieses manuelle Werkzeug als Ersatz benötigt und muß vor Ort sein.
- Ja, die Kalibrierung erfolgt während der Mittagspause.
- Also muß der Drehmomentschlüssel doch eigentlich während der Arbeitszeit dagewesen sein?
Warum werden beim Beifahrer-Airbag und der Lenksäule Drehmoment und Drehwinkel gemessen, beim Airbagsensor hingegen nur das Drehmoment? (Verdacht: die Winkelmessung ist möglicherweise kaputt).
- Ja, es sind verschiedene Sicherheitsklassen, Airbag und Lenksäule sind sicherheitskritische Prozesse Klasse PS1, Airbag-Sensor nur Klasse PS2.
Nachschauen auf dem Aufkleber an der Kontrolleinheit zum Airbag-Sensor: auch PS1, also klären, was ist PS1 und was ist PS2 und welche Anforderungen resultieren daraus.
Bandstillstand, weil ein Zusatzkühler für das Getriebe nicht montiert wurde.
Die Theorie:
- Werker A schaut auf den Montageauftrag, ob der Zusatzkühler benötigt wird, fügt diesen an den Hauptkühler und dreht die 4 Schrauben von Hand vor.
- Werker B schaut auf den Montageauftrag, ob der Zusatzkühler benötigt wird, zieht die Schrauben mit Druckluftschrauber an und montiert eine Kühlmittelleitung mit Schlauchschelle.
- Die Qualitätskontrolle am Ende der Kühlermontagelinie schaut auf den Montageauftrag, ob der Zusatzkühler benötigt wird und prüft die richtige Ausführung. Ebenso die zweite Qualitätskontrolle am Einbaupunkt an der Hauptmontagelinie.
Die Praxis:
- Werker A hat das Teil vergessen oder wurde abgelenkt (Werker B ist weiblich)
- Werker B zieht nur die Schrauben an, die schon im Zusatzkühler vorgesteckt sind und montiert auch nur dann eine Kühlmittelleitung.
- Die Qualitätskontrolle prüft nur den Sitz der Schläuche und Steckverbindungen, die montiert sind.
Werner, mein Kollege aus Südafrika, und ich haben ziemlich lange überlegt, denn es ist eine knifflige Sache, wenn man nicht einfach sagen will, die Werker müssen auf die Montageanweisung schauen, denn auf den ersten Blick sieht der montierte Kühler mit und ohne Zusatzkühler vollständig aus, beide Varianten sind möglich. Und dieses fehlende Teil hat im Prinzip drei Kontrollen überstanden. Die erste Lösung der mexikanischen Kollegen, auf den Zusatzkühler mit Wachsstift OK zu schreiben, hilft eigentlich nicht weiter, es sei denn man zieht in Erwägung, der Zusatzkühler wird aus versehen auch dann montiert, wenn er nicht benötigt wird. Statt dessen muß umgekehrt auf dem Hauptkühler OK stehen, anstelle des Zusatzkühlers, wenn dieser explizit nicht benötigt wird, also nicht vergessen wurde. Andere Teile die fehlen könnten, werden spätestens dann festgestellt, wenn ein Werker sein Bauteil an ein nicht vorhandenes anfügen will oder theoretisch beim elektrischen Test, praktisch heute nicht in Betrieb (und die nächsten drei Tage auch nicht).
Außerdem denken wir, in der Materialbereitstellung für die Kühlermontage drei Mann (je Schicht) gefunden zu haben, die von 18 Minuten nur 3 beschäftigt sind, während der erste Werker an der Montagelinie aufgrund ungünstiger Platzverhältnisse enorme Laufwege hat, und es kaum schafft, die ersten acht bis zehn Teile auf den Werkstückträger zu legen. Also wollen wir vorschlagen, die Materialbereitstellung zu ändern. Aufgrund der sprachlichen Probleme (Spanisch, Englisch, Afrikaans und Deutsch im Mix) machen wir das taktisch ungeschickt ohne Vorbereitung bei einer sich zufällig ergebender Gelegenheit mit dem Montageleiter ohne den zuständigen Teamleiter der Kühlermontage vorher gesprochen zu haben. Der, auch nicht dumm, auf jeden Fall übergangen, bügelt unsere Vorschläge mit guten Argumenten gleich vom Tisch. Dann hat man stundenlang analysiert und mögliche Lösungen für ein Problem entwickelt, das gar nicht existiert oder bekannt und bereits in Lösung ist, das ist ziemlich enttäuschend und frustrierend.
Am nächsten Tag machen wir es geschickter und fragen den Teamleiter direkt nach seinen Problemen und er zeigt sich auch versöhnlich und hat über unsere Vorschläge noch mal nachgedacht.
Gott sei dank brauchen wir nicht weiter nach Problemen zu suchen, sie werden uns gestellt. Nach dem im Grunde problemlosen Anlauf tauchen jetzt in der Cockpitmontage die ersten Fehler auf. Der vorherige Dienstleister produzierte im Monat nur jeweils 2 davon, wir in vier Tagen schon 6 (allerdings nur in der Frühschicht), obwohl wir den Prozeß nicht verändert haben und doch eigentlich mit den gleichen Leuten arbeiten. Die Nachfrage nach der Beschäftigungsdauer zweier Mitarbeiter, mit denen zufällig sich ein Gespräch ergeben hat: zwei Monate bzw. zwei Wochen (letzterer verschraubt die als sicherheitskritisch klassifizierte Lenksäule). Also weiter zum Teamleiter: ja, die Spätschicht sei 100% erfahrenes Personal, in seiner Schicht seien unter 36 Leuten nur 4 neue. Wer diese seien? Zwei kennen wir ja schon. Die Zuordnung der Montagefehler zu den Arbeitstakten ergibt, daß eine neue Mitarbeiterin offensichtlich 2 dieser 6 Fehler (also 33%) erzeugt hat.
Nach einer Woche sind es dann schon 8 Fehler, darunter 3 vertauschte Teile, die finden wir alle in einem Kommissionierbereich. Die Durchsicht ergibt u. a. nicht übereinstimmende Beschriftungen von Kommissionierregalplätzen und Teilenummern, beim Öffnen abgeschnittene Teilenummern der Kartons, mit sich zum verwechseln ähnlich aussehenden Teilen. Alles kein Problem für den Mitarbeiter, der diese Arbeit bereits seit zwei Jahren macht, offensichtlich aber nicht für seine Kollegin, die nicht neu, sondern schon seit vier Monaten im Unternehmen sei, bei genauerem Nachfragen aber selber angibt, in diesem Bereich erst seit zwei Wochen tätig zu sein.
Im möchte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, meine mexikanischen Kollegen seien inkompetent oder ähnliches, allein mit solchen Montageaufgaben haben sie bisher keine Erfahrungen, das ist ja der Grund meiner Reise. Und für viele Dinge, die zunächst ungewöhnlich erscheinen, gibt es einen guten Grund. Ich selbst lerne auch eine ganze Menge dazu, denn GM arbeitet in vielen Bereichen anders als Volkswagen, in jedem Fall strukturierter und das haben auch meine mexikanischen Kollegen übernommen.
Anfangs stand ich der Reise ein wenig skeptisch gegenüber, aber mit Werner aus Südafrika macht das richtig Spaß, zu zweit sehen wir einfach mehr und finden sicherer die Ursache und bessere Lösungen, als wenn ich alleine hier gewesen wäre. Das gleiche gilt für die Freizeitbeschäftigung, meistens bin ich alleine unterwegs und sich dann eine fremde Stadt oder Überreste einer alten Kultur anzuschauen ist einfach nicht so ergiebig, als wenn man einem Südafrikaner die Zusammenhänge erklären kann. In return, he messed up my Spanish, really. Any support needed in South Africa?
Gruß
Jörn
Hallo liebe Freunde,
Was mache ich sonst, wenn ich nicht nach meinem Gepäck fahnde oder als Tourist unterwegs bin? Ich laufe im GM-Werk herum und stelle dumme Fragen:
- Que hace en caso de falla del heramiento electrico? Was geschieht bei Ausfall diese Schraubers?
- Utilisamos el herramiento de emergencia, dann wird mit dem Ersatzwerkzeug gearbeitet.
- Por favor, puedes mostrar melo? Darf ich das mal bitte sehen?
Am ersten Werktag im neuen Jahr Bandstillstand an der Endmontagelinie, weil GM beim Nachmessen der Drehmomente einer sicherheitskritischer Verschraubung (Beifahrer-Airbag) Meßwerte außerhalb der Toleranz fand. Als letzten Freitag, mein erster Tag vor Ort, bereits für das neue Jahr vormontiert wurde, ist mir entgangen, daß dies unter Umgehung der automatischen Meßwertüberwachung geschah. Die Quittung: drei fehlerhafte Verschraubungen. In diesem Falle der bewußten Umgehung hätte genauso wie bei Ausfall der Meßwertüberwachung mit einem manuellen Drehmomentschlüssel nachgemessen werden müssen.
- Warum ist das nicht geschehen?
- Ja, das Werkzeug war zur Kalibrierung.
- Aber was macht Ihr, wenn der elektrische Schrauber ausfällt? Dann wird doch dieses manuelle Werkzeug als Ersatz benötigt und muß vor Ort sein.
- Ja, die Kalibrierung erfolgt während der Mittagspause.
- Also muß der Drehmomentschlüssel doch eigentlich während der Arbeitszeit dagewesen sein?
Warum werden beim Beifahrer-Airbag und der Lenksäule Drehmoment und Drehwinkel gemessen, beim Airbagsensor hingegen nur das Drehmoment? (Verdacht: die Winkelmessung ist möglicherweise kaputt).
- Ja, es sind verschiedene Sicherheitsklassen, Airbag und Lenksäule sind sicherheitskritische Prozesse Klasse PS1, Airbag-Sensor nur Klasse PS2.
Nachschauen auf dem Aufkleber an der Kontrolleinheit zum Airbag-Sensor: auch PS1, also klären, was ist PS1 und was ist PS2 und welche Anforderungen resultieren daraus.
Bandstillstand, weil ein Zusatzkühler für das Getriebe nicht montiert wurde.
Die Theorie:
- Werker A schaut auf den Montageauftrag, ob der Zusatzkühler benötigt wird, fügt diesen an den Hauptkühler und dreht die 4 Schrauben von Hand vor.
- Werker B schaut auf den Montageauftrag, ob der Zusatzkühler benötigt wird, zieht die Schrauben mit Druckluftschrauber an und montiert eine Kühlmittelleitung mit Schlauchschelle.
- Die Qualitätskontrolle am Ende der Kühlermontagelinie schaut auf den Montageauftrag, ob der Zusatzkühler benötigt wird und prüft die richtige Ausführung. Ebenso die zweite Qualitätskontrolle am Einbaupunkt an der Hauptmontagelinie.
Die Praxis:
- Werker A hat das Teil vergessen oder wurde abgelenkt (Werker B ist weiblich)
- Werker B zieht nur die Schrauben an, die schon im Zusatzkühler vorgesteckt sind und montiert auch nur dann eine Kühlmittelleitung.
- Die Qualitätskontrolle prüft nur den Sitz der Schläuche und Steckverbindungen, die montiert sind.
Werner, mein Kollege aus Südafrika, und ich haben ziemlich lange überlegt, denn es ist eine knifflige Sache, wenn man nicht einfach sagen will, die Werker müssen auf die Montageanweisung schauen, denn auf den ersten Blick sieht der montierte Kühler mit und ohne Zusatzkühler vollständig aus, beide Varianten sind möglich. Und dieses fehlende Teil hat im Prinzip drei Kontrollen überstanden. Die erste Lösung der mexikanischen Kollegen, auf den Zusatzkühler mit Wachsstift OK zu schreiben, hilft eigentlich nicht weiter, es sei denn man zieht in Erwägung, der Zusatzkühler wird aus versehen auch dann montiert, wenn er nicht benötigt wird. Statt dessen muß umgekehrt auf dem Hauptkühler OK stehen, anstelle des Zusatzkühlers, wenn dieser explizit nicht benötigt wird, also nicht vergessen wurde. Andere Teile die fehlen könnten, werden spätestens dann festgestellt, wenn ein Werker sein Bauteil an ein nicht vorhandenes anfügen will oder theoretisch beim elektrischen Test, praktisch heute nicht in Betrieb (und die nächsten drei Tage auch nicht).
Außerdem denken wir, in der Materialbereitstellung für die Kühlermontage drei Mann (je Schicht) gefunden zu haben, die von 18 Minuten nur 3 beschäftigt sind, während der erste Werker an der Montagelinie aufgrund ungünstiger Platzverhältnisse enorme Laufwege hat, und es kaum schafft, die ersten acht bis zehn Teile auf den Werkstückträger zu legen. Also wollen wir vorschlagen, die Materialbereitstellung zu ändern. Aufgrund der sprachlichen Probleme (Spanisch, Englisch, Afrikaans und Deutsch im Mix) machen wir das taktisch ungeschickt ohne Vorbereitung bei einer sich zufällig ergebender Gelegenheit mit dem Montageleiter ohne den zuständigen Teamleiter der Kühlermontage vorher gesprochen zu haben. Der, auch nicht dumm, auf jeden Fall übergangen, bügelt unsere Vorschläge mit guten Argumenten gleich vom Tisch. Dann hat man stundenlang analysiert und mögliche Lösungen für ein Problem entwickelt, das gar nicht existiert oder bekannt und bereits in Lösung ist, das ist ziemlich enttäuschend und frustrierend.
Am nächsten Tag machen wir es geschickter und fragen den Teamleiter direkt nach seinen Problemen und er zeigt sich auch versöhnlich und hat über unsere Vorschläge noch mal nachgedacht.
Gott sei dank brauchen wir nicht weiter nach Problemen zu suchen, sie werden uns gestellt. Nach dem im Grunde problemlosen Anlauf tauchen jetzt in der Cockpitmontage die ersten Fehler auf. Der vorherige Dienstleister produzierte im Monat nur jeweils 2 davon, wir in vier Tagen schon 6 (allerdings nur in der Frühschicht), obwohl wir den Prozeß nicht verändert haben und doch eigentlich mit den gleichen Leuten arbeiten. Die Nachfrage nach der Beschäftigungsdauer zweier Mitarbeiter, mit denen zufällig sich ein Gespräch ergeben hat: zwei Monate bzw. zwei Wochen (letzterer verschraubt die als sicherheitskritisch klassifizierte Lenksäule). Also weiter zum Teamleiter: ja, die Spätschicht sei 100% erfahrenes Personal, in seiner Schicht seien unter 36 Leuten nur 4 neue. Wer diese seien? Zwei kennen wir ja schon. Die Zuordnung der Montagefehler zu den Arbeitstakten ergibt, daß eine neue Mitarbeiterin offensichtlich 2 dieser 6 Fehler (also 33%) erzeugt hat.
Nach einer Woche sind es dann schon 8 Fehler, darunter 3 vertauschte Teile, die finden wir alle in einem Kommissionierbereich. Die Durchsicht ergibt u. a. nicht übereinstimmende Beschriftungen von Kommissionierregalplätzen und Teilenummern, beim Öffnen abgeschnittene Teilenummern der Kartons, mit sich zum verwechseln ähnlich aussehenden Teilen. Alles kein Problem für den Mitarbeiter, der diese Arbeit bereits seit zwei Jahren macht, offensichtlich aber nicht für seine Kollegin, die nicht neu, sondern schon seit vier Monaten im Unternehmen sei, bei genauerem Nachfragen aber selber angibt, in diesem Bereich erst seit zwei Wochen tätig zu sein.
Im möchte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, meine mexikanischen Kollegen seien inkompetent oder ähnliches, allein mit solchen Montageaufgaben haben sie bisher keine Erfahrungen, das ist ja der Grund meiner Reise. Und für viele Dinge, die zunächst ungewöhnlich erscheinen, gibt es einen guten Grund. Ich selbst lerne auch eine ganze Menge dazu, denn GM arbeitet in vielen Bereichen anders als Volkswagen, in jedem Fall strukturierter und das haben auch meine mexikanischen Kollegen übernommen.
Anfangs stand ich der Reise ein wenig skeptisch gegenüber, aber mit Werner aus Südafrika macht das richtig Spaß, zu zweit sehen wir einfach mehr und finden sicherer die Ursache und bessere Lösungen, als wenn ich alleine hier gewesen wäre. Das gleiche gilt für die Freizeitbeschäftigung, meistens bin ich alleine unterwegs und sich dann eine fremde Stadt oder Überreste einer alten Kultur anzuschauen ist einfach nicht so ergiebig, als wenn man einem Südafrikaner die Zusammenhänge erklären kann. In return, he messed up my Spanish, really. Any support needed in South Africa?
Gruß
Jörn
Montag, 7. Januar 2008
Silao, 06.01.2008
Hallo liebe Freunde,
heute komme ich zum touristischen Teil meines Urlaubs, äh meiner Dienstreise. Donnerstag nacht bin ich angekommen und schon naht das Wochenende, wir besuchen die nächste größere Stadt, Guanajuato, reich geworden durch Silber, gewonnen durch harte Arbeit anderer Leute, der zunächst versklavten, später nur rechtlosen indianische Bevölkerung. Interessant ist auch das weite Tunnelsystem unter der Altstadt, mit entsprechend bergmännischer Expertise in den Fels geschlagen und ggf. mit Rundbögen übermauert, darauf eine koloniale spanische Stadt mit engen Gassen, reich ausgestalteten geschlossenen Innenhöfen und immer wieder Brücken über den wenn nicht in Tunneln, dann in Schluchten laufenden Straßen, ursprünglich geschaffen für Pferdefuhrwerke, aber als Einbahnstraße auch für den heutigen Verkehr geeignet, einschließlich der typisch nordamerikanischen Busse auf LKW-Fahrgestell. Das Tunnelsystem kann eigentlich nicht jünger sein als die Stadt darüber. Beeindruckend.
Im Tageslicht angekommen ist diese Stadt voller Touristen, fast ausschließlich mexikanischer. Hier könnte man jedenfalls fotographieren, aber an meiner digitalen Kamera finde ich keine Freude. Bei grellem Sonnelicht ist auf dem Display kaum etwas zu erkennen, dementsprechend geknipst sehen die Fotos aus. In der riesigen Kathedrale endet gerade der Gottesdienst, die Gläubigen noch auf Knien vor den Heiligenfiguren, Nebenaltären und offenen Beichtstühlen, auch nichts wo ich reinblitzen möchte.
Ein paar wenige Bettler, ich hätte an einem Ort wie diesem mehr erwartet. Fast alle haben eine relativ dunkle Hautfarbe. Je dunkler, desto mehr Arbeit in der Landwirtschaft, desto mehr ländliche Herkunft, desto geringer der soziale Status. In Mexico ist jetzt auch Winter (am Tage 20 - 25 C, nachts 10 -12 C), ich sehe nur ein Mädchen mit Sonnenschirm, getragen, um hellhäutig zu bleiben. In dem ganzen Trubel nehme ich auch zwei Männer in Shorts war, Touristen halt.
Dann machen wir noch den Fehler ein Mumienmuseum zu besuchen, ich habe mich nicht informiert und eine Ausstellung indianischer Mumien samt Grabbeigaben erwartet, statt dessen gibt es eine große Zahl luftgetrockneter und überwiegend entkleideter Körper aus dem lokalen Friedhof zu sehen, deren Ruherecht wohl abgelaufen ist und deren Grabkammern geräumt wurden. Interessant sind eigentlich nur die Opfer der Inquisition, an denen die Folterspuren noch zu sehen sind bzw. in ihren Gesichtern wohlmöglich lebendig begraben worden zu sein. Aber dieses Museum am Friedhof am Rande der Stadt ist hier die Sensation. 50 m Schlange bis zur Kasse, 60 m zurück bis zum Eingang, dann schiebt man sich in dieser Formation weiter durch die Ausstellung, die ziemlich schnell langweilig wird.
Silao, wo ich wohne, ist weniger bedeutend. Abgesehen von den zahlreichen Tortillerias gibt es nur zwei, drei wenige Restaurants, recht einfach, ohne über den Gehweg gebauten Baldachin, Angestellte, die den Wagen wegfahren und Empfangsdame. Was ich halt sonst so gewohnt bin.
Auf das Wochenende folgen Silvester und Neujahr. Es verläuft ein wenig enttäuschend oder zumindest anders, als ich es mir vorgestellt habe. Es ist ein familiäres Fest, das Hotel füllt sich mit Familien, die ihre Eltern und Großeltern besuchen. Die Restaurants in den nächsten beiden größeren Städten in der Nähe, Leon und Gunajuato, sind geschlossen oder ausgebucht, die in Silao nur geschlossen. Zusammen mit Julio, unserem mexikanischen Hotelkollegen gehen wir zum Zoccalo, hier herrscht wie immer reges Leben. Die Straßen sind von Fahrzeugen verstopft, aber nicht vom Cruisen, sondern von Familien auf dem Weg von und zur Kirche. Es findet ein Nachtlauf statt, ähnlich wie in Braunschweig, vielleicht 20 – 30 Teilnehmer, keine Musikgruppen. Sombreros und Ponchos habe ich eh’ nicht erwartet. Die einzige Bar am Zoccalo zwar offen, aber kein Mensch drin.
In einer Nebenstraße gibt es eine Diskothek, die zur Neujahrsfeier lädt, aber da möchte Julio mit zwei vermeintlich wohlhabenden und offensichtlichen Ausländern nicht rein, er erwartet Ärger aus der Kombination von Jugendlichen (halb Mexico), Alkohol und Andersartigkeit. Das halte ich zumindest nicht für ganz abwegig. Ein ehemaliger Kollege von mir hat sich in einer solchen Situation, aber wahrscheinlich größeren und feinfühlig auftretenden Gruppe von Ausländern, das Nasenbein gebrochen. Außerdem cruist hier nur die Polizei, auf der Ladefläche ihrer Pickups stehend, schwarzer Kampfanzug und Helm. Was tun? Auf Diskothek hätte ich aus anderen Gründen ohnehin keine Lust gehabt, also in die Bar, ein sparsames Feuerwerk über der Stadt, das war’s.
Dafür steigt die Fete hier am folgenden Wochenende zum 6. Januar (heilige drei Könige), ich nehme an, dann werden wie in Spanien die Kinder beschenkt, Kinderfeste in den Restaurants, Luftballons in den Supermärkten, statt Muffins und anderen Gebäcks gibt es nur noch bunte „Rosca de los Reyes“-Kränze, die Bäckereien machen nichts anderes, eine kleine Achterbahn rumpelt über den Zoccalo. Am Sonnabend fahren wir recht früh auf den Cubilete, den höchsten Berg in der Umgebung, erhöht durch eine monumentale Christusstatue als nationales Monument im geographischen Zentrum Mexicos errichtet. Hinauf geht es auf einer ca. 8 km langen Serpentine aus Kopfsteinpflaster mit vielleicht doppelter bis dreifacher Schrittgeschwindigkeit, jedenfalls nicht schneller, als daß die bettelnden Kinder entlang der Straße nicht ein Stück neben dem Wagenfenster herlaufen könnten. Richtig verhungert sieht zwar keines aus, aber arm.
Obwohl nicht weit entfernt von Silao, sind die Leute hier sichtbar ärmer, die Häuser kleiner, ungeheizt sowieso, außer Landwirtschaft verspricht den einzigen Erwerb die Straße zum Gipfel, begleitet von Ständen und kleinen Imbißbuden innerhalb der Ortschaften und besagten Kindern außerhalb. Wir passieren eine Schule mit der Aufschrift „Telesecundaria“, es gibt Fernunterricht. Die Busse, die für GM, unsere Tochtergesellschaft (ca. 1300 Mitarbeiter in Silao) und andere Zulieferer, die Leute zur Arbeit holen und wieder zurück bringen, verkehren nur im Stadtgebiet. Wenn es auf dieser Rumpeltrecke überhaupt Busverkehr gäbe, ist es doch eine Stunde Fahrt bis zum Werk. Auf der anderen Seite würden viele Stände und die Kinder an der Straße ihre Einnahmequelle am Wochenende verlieren, wäre die Straße besser ausgebaut und in normaler Geschwindigkeit befahrbar.
Hin und wieder überholen wir einzelne Reiter oder kleine Gruppen zu Pferd, ich denke erst aus der hiesigen Dorfbevölkerung - der traditionellen Kleidung wegen, dann meine ich Touristen - der großen Zahl wegen, schließlich als wir bereits wieder herunterfahren, vom Berg, der offensichtlich auch Pilgerziel ist, kommt uns eine Prozession entgegen, angeführt von Fahnen, zu zweit zu dritt nebeneinander in kilometerlange Kolonne am Fahrbahnrand, ich schätze ca. zwei- bis dreitausend Reiter, ausschließlich Männer in traditioneller Kleidung, mexikanische Kavallerie wie im Western, nur live. Selbst als wir schon wieder unten in Silao sind, sehe ich noch Gruppen querfeldein Richtung Cubilete reiten. Zwischenzeitlich dachte ich selbst, an einem geführten Ausritt für Touristen teilzunehmen, aber heute ist ganz bestimmt kein Pferd mehr verfügbar. Mit einem Teleobjektiv hätte ich tolle Fotos machen können.
Mal schauen, zumindest aus meiner Sicht bedarf es nächstes Jahr ganz bestimmt einer Revision, Anreise unmittelbar nach Silvester.
Gruß
Jörn
Hallo liebe Freunde,
heute komme ich zum touristischen Teil meines Urlaubs, äh meiner Dienstreise. Donnerstag nacht bin ich angekommen und schon naht das Wochenende, wir besuchen die nächste größere Stadt, Guanajuato, reich geworden durch Silber, gewonnen durch harte Arbeit anderer Leute, der zunächst versklavten, später nur rechtlosen indianische Bevölkerung. Interessant ist auch das weite Tunnelsystem unter der Altstadt, mit entsprechend bergmännischer Expertise in den Fels geschlagen und ggf. mit Rundbögen übermauert, darauf eine koloniale spanische Stadt mit engen Gassen, reich ausgestalteten geschlossenen Innenhöfen und immer wieder Brücken über den wenn nicht in Tunneln, dann in Schluchten laufenden Straßen, ursprünglich geschaffen für Pferdefuhrwerke, aber als Einbahnstraße auch für den heutigen Verkehr geeignet, einschließlich der typisch nordamerikanischen Busse auf LKW-Fahrgestell. Das Tunnelsystem kann eigentlich nicht jünger sein als die Stadt darüber. Beeindruckend.
Im Tageslicht angekommen ist diese Stadt voller Touristen, fast ausschließlich mexikanischer. Hier könnte man jedenfalls fotographieren, aber an meiner digitalen Kamera finde ich keine Freude. Bei grellem Sonnelicht ist auf dem Display kaum etwas zu erkennen, dementsprechend geknipst sehen die Fotos aus. In der riesigen Kathedrale endet gerade der Gottesdienst, die Gläubigen noch auf Knien vor den Heiligenfiguren, Nebenaltären und offenen Beichtstühlen, auch nichts wo ich reinblitzen möchte.
Ein paar wenige Bettler, ich hätte an einem Ort wie diesem mehr erwartet. Fast alle haben eine relativ dunkle Hautfarbe. Je dunkler, desto mehr Arbeit in der Landwirtschaft, desto mehr ländliche Herkunft, desto geringer der soziale Status. In Mexico ist jetzt auch Winter (am Tage 20 - 25 C, nachts 10 -12 C), ich sehe nur ein Mädchen mit Sonnenschirm, getragen, um hellhäutig zu bleiben. In dem ganzen Trubel nehme ich auch zwei Männer in Shorts war, Touristen halt.
Dann machen wir noch den Fehler ein Mumienmuseum zu besuchen, ich habe mich nicht informiert und eine Ausstellung indianischer Mumien samt Grabbeigaben erwartet, statt dessen gibt es eine große Zahl luftgetrockneter und überwiegend entkleideter Körper aus dem lokalen Friedhof zu sehen, deren Ruherecht wohl abgelaufen ist und deren Grabkammern geräumt wurden. Interessant sind eigentlich nur die Opfer der Inquisition, an denen die Folterspuren noch zu sehen sind bzw. in ihren Gesichtern wohlmöglich lebendig begraben worden zu sein. Aber dieses Museum am Friedhof am Rande der Stadt ist hier die Sensation. 50 m Schlange bis zur Kasse, 60 m zurück bis zum Eingang, dann schiebt man sich in dieser Formation weiter durch die Ausstellung, die ziemlich schnell langweilig wird.
Silao, wo ich wohne, ist weniger bedeutend. Abgesehen von den zahlreichen Tortillerias gibt es nur zwei, drei wenige Restaurants, recht einfach, ohne über den Gehweg gebauten Baldachin, Angestellte, die den Wagen wegfahren und Empfangsdame. Was ich halt sonst so gewohnt bin.
Auf das Wochenende folgen Silvester und Neujahr. Es verläuft ein wenig enttäuschend oder zumindest anders, als ich es mir vorgestellt habe. Es ist ein familiäres Fest, das Hotel füllt sich mit Familien, die ihre Eltern und Großeltern besuchen. Die Restaurants in den nächsten beiden größeren Städten in der Nähe, Leon und Gunajuato, sind geschlossen oder ausgebucht, die in Silao nur geschlossen. Zusammen mit Julio, unserem mexikanischen Hotelkollegen gehen wir zum Zoccalo, hier herrscht wie immer reges Leben. Die Straßen sind von Fahrzeugen verstopft, aber nicht vom Cruisen, sondern von Familien auf dem Weg von und zur Kirche. Es findet ein Nachtlauf statt, ähnlich wie in Braunschweig, vielleicht 20 – 30 Teilnehmer, keine Musikgruppen. Sombreros und Ponchos habe ich eh’ nicht erwartet. Die einzige Bar am Zoccalo zwar offen, aber kein Mensch drin.
In einer Nebenstraße gibt es eine Diskothek, die zur Neujahrsfeier lädt, aber da möchte Julio mit zwei vermeintlich wohlhabenden und offensichtlichen Ausländern nicht rein, er erwartet Ärger aus der Kombination von Jugendlichen (halb Mexico), Alkohol und Andersartigkeit. Das halte ich zumindest nicht für ganz abwegig. Ein ehemaliger Kollege von mir hat sich in einer solchen Situation, aber wahrscheinlich größeren und feinfühlig auftretenden Gruppe von Ausländern, das Nasenbein gebrochen. Außerdem cruist hier nur die Polizei, auf der Ladefläche ihrer Pickups stehend, schwarzer Kampfanzug und Helm. Was tun? Auf Diskothek hätte ich aus anderen Gründen ohnehin keine Lust gehabt, also in die Bar, ein sparsames Feuerwerk über der Stadt, das war’s.
Dafür steigt die Fete hier am folgenden Wochenende zum 6. Januar (heilige drei Könige), ich nehme an, dann werden wie in Spanien die Kinder beschenkt, Kinderfeste in den Restaurants, Luftballons in den Supermärkten, statt Muffins und anderen Gebäcks gibt es nur noch bunte „Rosca de los Reyes“-Kränze, die Bäckereien machen nichts anderes, eine kleine Achterbahn rumpelt über den Zoccalo. Am Sonnabend fahren wir recht früh auf den Cubilete, den höchsten Berg in der Umgebung, erhöht durch eine monumentale Christusstatue als nationales Monument im geographischen Zentrum Mexicos errichtet. Hinauf geht es auf einer ca. 8 km langen Serpentine aus Kopfsteinpflaster mit vielleicht doppelter bis dreifacher Schrittgeschwindigkeit, jedenfalls nicht schneller, als daß die bettelnden Kinder entlang der Straße nicht ein Stück neben dem Wagenfenster herlaufen könnten. Richtig verhungert sieht zwar keines aus, aber arm.
Obwohl nicht weit entfernt von Silao, sind die Leute hier sichtbar ärmer, die Häuser kleiner, ungeheizt sowieso, außer Landwirtschaft verspricht den einzigen Erwerb die Straße zum Gipfel, begleitet von Ständen und kleinen Imbißbuden innerhalb der Ortschaften und besagten Kindern außerhalb. Wir passieren eine Schule mit der Aufschrift „Telesecundaria“, es gibt Fernunterricht. Die Busse, die für GM, unsere Tochtergesellschaft (ca. 1300 Mitarbeiter in Silao) und andere Zulieferer, die Leute zur Arbeit holen und wieder zurück bringen, verkehren nur im Stadtgebiet. Wenn es auf dieser Rumpeltrecke überhaupt Busverkehr gäbe, ist es doch eine Stunde Fahrt bis zum Werk. Auf der anderen Seite würden viele Stände und die Kinder an der Straße ihre Einnahmequelle am Wochenende verlieren, wäre die Straße besser ausgebaut und in normaler Geschwindigkeit befahrbar.
Hin und wieder überholen wir einzelne Reiter oder kleine Gruppen zu Pferd, ich denke erst aus der hiesigen Dorfbevölkerung - der traditionellen Kleidung wegen, dann meine ich Touristen - der großen Zahl wegen, schließlich als wir bereits wieder herunterfahren, vom Berg, der offensichtlich auch Pilgerziel ist, kommt uns eine Prozession entgegen, angeführt von Fahnen, zu zweit zu dritt nebeneinander in kilometerlange Kolonne am Fahrbahnrand, ich schätze ca. zwei- bis dreitausend Reiter, ausschließlich Männer in traditioneller Kleidung, mexikanische Kavallerie wie im Western, nur live. Selbst als wir schon wieder unten in Silao sind, sehe ich noch Gruppen querfeldein Richtung Cubilete reiten. Zwischenzeitlich dachte ich selbst, an einem geführten Ausritt für Touristen teilzunehmen, aber heute ist ganz bestimmt kein Pferd mehr verfügbar. Mit einem Teleobjektiv hätte ich tolle Fotos machen können.
Mal schauen, zumindest aus meiner Sicht bedarf es nächstes Jahr ganz bestimmt einer Revision, Anreise unmittelbar nach Silvester.
Gruß
Jörn
Samstag, 5. Januar 2008
Silao, 30.12.2007
Hallo liebe Freunde,
am ersten Tag nach den Weihnachtsfeiertagen bin ich auf dem Weg nach Silao/Mexico, kein Abenteuer in Aussicht. Der Flug führt diesmal viel weiter nordwestlich als sonst über Kanada und die USA und nicht an der Küste entlang, wohl deswegen 40 Minuten Verspätung in Mexico. Die Zeit zum Umsteigen ist knapp, habe ich aber vor Jahren auf diesem Flughafen schon mal gemacht, sonst wäre ich erst mal in die falsche Richtung gelaufen. Das Ziel des Anschlußfluges wird unter einem anderen Namen angezeigt (Bajia), als auf meinem Flugticket steht (Leon / Guanajuato), ist aber identifizierbar. Die Nummer des Gates wird nicht angezeigt, ist jedoch durch Fragen zu erfahren. Wie gesagt, ich bin schon mal in Mexico umgestiegen, wenn ich erst einmal zur Einreise in der falschen Schlange gestanden hätte, hätte ich nach der Verspätung den Anschluß nicht mehr bekommen.
Pünktlich um kurz vor 21:00 Uhr Ortszeit bin ich in Leon, kapiere auch gleich, daß ich zum Gepäckband für internationale Flüge muß und nicht zum Inlandband. So warte ich nur noch auf meinen Koffer und meinen Seesack und warte und warte bis mir gesagt wird, daß heute nichts mehr käme.
Ich möchte mein Gepäck doch bitte beim Schalter von Mexicana reklamieren. Raus durch den Zoll, im Empfangsbereich auch kein Kollege mehr zu sehen, der mich abholen sollte. Weiter zum Check-In-Schalter von Mexicana. Nach einigem hin und her kann festgestellt werden, daß in Mexico das Umsteigen vom mir bewältigt wurde, nicht aber von meinem Gepäck. Wann es käme? Morgen, mit der ersten Maschine um 8 Uhr, ist spätestens um 9 im Hotel.
Na gut, da ich nicht weiß, wie ich meinen Abholer finden soll, der wahrscheinlich schon lange weg ist, handle ich ein Taxi aus, das mich ins Hotel bringen soll. Jetzt klingelt mein Mobiltelefon. Jemand aus unserer Zentrale in Puebla erkundigt sich, wo ich sei und das jemand unterwegs sei, mich abzuholen. Außerdem denkt man dort offensichtlich (wird mir später klar), ich sei noch in Mexico auf dem Flughafen, also Taxi rückgängig, Warten auf den Abholdienst. Die haben mich sowieso erst um 22:00 Uhr erwartet. Deswegen dachte man also, ich sei noch in Mexico. Am nächsten Tage werde ich noch einen Kollegen kennenlernen, der um 21:00 Uhr am Flughafen war, mich abzuholen. Konfusion total. Zwischenzeitlich geht im ganzen Flughafengebäude das Licht aus, großes Geschrei. Um 22:45 (5:45 MEZ) bin ich endlich im Hotel, fast 21 Stunden von Tür zu Tür. Gesamte Kommunikation auf Spanisch.
Am Abend erfahre ich noch, daß ca. 90% der Mitarbeiter des Dienstleisters von dem wir die Montagedienstleistungen hier zum 1. Januar übernehmen, bei unserer Tochtergesellschaft unterschrieben haben, d.h. die Leute kennen ihre Tätigkeiten und brauchen (zumindest dafür) nicht geschult zu werden. Hatte ich vorher schon mit gerechnet, Trotzdem: Entspannung.
Am nächsten morgen sage ich schnell an der Rezeption bescheid, daß so gegen 09:00 meine Koffer kämen, dann ins Werk. Beim ersten Rundgang erfahre ich, daß die Verantwortung und Durchführung der Instandhaltung der zu übernehmenden Montageanlagen bei General Motors (GM) verbleibt und nicht von uns geplant und durchgeführt werden muß. Damit habe ich meine Aufgaben bereits gelöst, bevor ich richtig angefangen habe. Totale Entspannung. Was mache ich die nächsten drei Wochen?
Zwischen den Feiertagen ist an der Endmontagelinie von GM Betriebsruhe, bei uns jedoch im Zusammenhang mit den neuen Aufgaben Hochbetrieb. In den Büros teilen sich in der Regel 2 Mitarbeiter einen Schreibtisch von der Größe meines in Wolfsburg oder haben deutlich kleinere Schreibtische. Das unser Tochterunternehmen in vielen Dingen besser organisiert ist als die Mutter in Deutschland, liegt sicher auch daran, daß es einfach mehr Leute gibt. Für jede Aufgabe einen zuständigen Spezialisten. Was ich in Deutschland alleine schlampig mache, machen hier mehrere entsprechend detailliert.
An der für uns wichtigsten Montagelinie, der Instrumententafel, werden zu Schulungszwecken zwei Instrumententafeln immer wieder zusammengebaut und zerlegt. Man sieht, daß die Mitarbeiter diese Tätigkeit nicht zum ersten Mal machen, eigentlich die Mitarbeiterinnen, 90% Frauen, zwischen 1,50 und 1,60 m groß, entsprechend tief gehängt sind die Werkstückträger, ich habe einen guten Überblick. Viele sehr jung. z. T. erst 19 oder 17 Jahre alt (da habe ich allerdings ein paar Zweifel, wobei, sie haben mich zuerst gefragt und leider auch fast richtig geschätzt). Mein Kollege Cord von unserer Zentrale in Puebla erklärt, daß Begrüßung mit Wangenkuß in Deutschland am Arbeitsplatz nicht üblich sei.
Auf der einen Seite der Wunsch nach Bildung, z.B.: Vorstellungen von einem Studium in den USA, der Wunsch mit mir Englisch zu sprechen (tut mir leid, ich bin hier, um mein Spanisch zu verbessern) auf der anderen Seite verwunderliche Allgemeinbildung und geographisches Vorstellungsvermögen. Unsere Unternehmenszentrale ist in Puebla, mexikanischer Bundesstaat und dessen Hauptstadt zugleich. Wo das sei? Deutschland, kleiner als Mexico? Einstellungsvoraussetzung ist Abschluß Secundaria, d.h. 10 Jahre Schule. Na gut, auch in Deutschland können nicht alle Schüler sämtliche Bundesländer aufzählen, auch nicht, als es nur 11 waren. Wie viele waren das gleich, als ich zur Schule ging? Es gibt frische Wäsche: zwei Satz Firmenkleidung, Hose und T-Shirt.
Am Abend an der Rezeption, ob denn mein Gepäck da sei. Nein, leider nicht. Das auf dem Reklamationsbeleg genannte Telefon wird nicht abgenommen. Also fährt mich mein mexikanischer Kollege, der mit mir im Hotel wohnt, zum Flughafen von Leon, nur 7 km entfernt. Ja, das Gepäck ist in Mexico. Wann es kommt? Später, mit der letzten Maschine, aber heute noch. Es wird spätestens gegen 23:00 Uhr im Hotel sein. Auf dem Rückweg überlege ich, ein paar Socken und eine Unterhose zu kaufen.
Sonnabend morgen. Hätte ich mir doch ein paar Socken gekauft. Ich rufe auf seinem Zimmer einen weiteren Kollegen an, der in Nacht aus Südafrika gekommen ist (38 Stunden Anreise, von Uitenhage über Johannesburg und Paris, von Mexico nicht im Flugzeug, sondern 5 Stunden im Auto, wer hat das gebucht?).
Das Hotel steht am Stadtrand von Silao an der vorbeiführenden Autobahn/Schnellstraße, Hoteladresse ist typischerweise der Autobahnkilometer. Wir gehen in die Stadt. Die Wohnhäuser, Zimmer für Zimmer und Stockwerk für Stockwerk gebaut, so wie Geld da ist mit den gerade verfügbaren Materialien. Die Armierung für das nächste Stockwerk steht aus der letzten Decke schon nach oben raus.
In der Stadt ist Einkaufzeit, überall zur Straße hin offene Läden und Tortillerias, kleine Markt- und Imbißstände unter Planen oder überdachten Markthallen, viel Kinderkleidung, Spielzeug, Jeans, Lebensmittel, überwiegend indigene Bevölkerung, ein wenig arm und bunt gekleidet unter greller Sonne, wie man sich als Tourist Mexico vorstellt und auch die schönsten Fotos abgäbe, wäre es mir nicht unangenehm, hier auf kürzeste Distanz zu fotographieren. Die Kirchen noch von den Festtagen geschmückt, Krippen in vielen Straßen und auf den Plätzen. Auch im Werk bei uns im Lager ist eine Krippe aufgebaut.
Auf dem Zoccalo, dem zentralen Platz mexikanischer Städte, werden wir von Kindern angesprochen, die wie ich zunächst denke, ihr Englisch ausprobieren wollen. Dann reichen sie uns Broschüren, es sind Kinder eines Zeugen Jehovas, die weise ich in der Regel zwar höflich, aber kurz zurück, aber dieser hier weiß, daß ich Deutscher bin, woher? Er hat mich gestern im Werk gesehen, (außerdem habe ich die Firmenkleidung an, was sonst) und kennt Mitglieder unserer Geschäftsleitung in Puebla, ein GM-Manager offensichtlich. Mein Kollege aus Südafrika ist obendrein mit einer Zeugin Jehovas verheiratet. Überzeugungsarbeit ist hier also nicht mehr von nöten und so nimmt das Gespräch einen ganz normalen Verlauf. Immer zunächst freundlich bleiben und schauen was passiert.
Ich kaufe Socken, unitalla (one size fits all). Bei den Unterhosen verstehe ich die Größenkennzeichnung nicht, vielleicht kommt mein Gepäck ja heute.
Am Abend ist auch mit Unterstützung meines mexikanischen Kollegen telefonisch von der Fluglinie keine Auskunft über den Verbleib meines Gepäcks zu bekommen. Also wieder zum Flughafen, zu dritt, neben mir ein breitschultriger Bure, zum Check-In-Schalter von Mexicana. Ziel: wenigstens eine adäquate Telefonnummer von KLM in Mexico zu bekommen, wo ich mir mehr Engagement verspreche. Überraschung: beim zweiten nachschauen ist der Koffer da, den Etiketten nach schon seit etwa 14:00 Uhr und es steht hier auch genug uniformiertes Personal herum, das sich zum Beispiel um nachgeliefertes Gepäck kümmern könnte, geschieht aber offensichtlich nur auf Nachfrage. Die Manager tragen Schlips und weiße Hemden, machen Zusagen – das Gepäck ins Hotel zu liefern – kümmern sich aber nicht um die Ausführung. Das wichtigste habe ich nun zunächst, fehlt nur noch der Seesack mit Sportzeug und den Schuhen. Morgen, mit der ersten Maschine.
Damit hat das Abenteuer sein Ende, höchstens daß ich Silvester noch Wanderstiefel trage.
Ein frohes neues Jahr wünscht Euch
Jörn
Hallo liebe Freunde,
am ersten Tag nach den Weihnachtsfeiertagen bin ich auf dem Weg nach Silao/Mexico, kein Abenteuer in Aussicht. Der Flug führt diesmal viel weiter nordwestlich als sonst über Kanada und die USA und nicht an der Küste entlang, wohl deswegen 40 Minuten Verspätung in Mexico. Die Zeit zum Umsteigen ist knapp, habe ich aber vor Jahren auf diesem Flughafen schon mal gemacht, sonst wäre ich erst mal in die falsche Richtung gelaufen. Das Ziel des Anschlußfluges wird unter einem anderen Namen angezeigt (Bajia), als auf meinem Flugticket steht (Leon / Guanajuato), ist aber identifizierbar. Die Nummer des Gates wird nicht angezeigt, ist jedoch durch Fragen zu erfahren. Wie gesagt, ich bin schon mal in Mexico umgestiegen, wenn ich erst einmal zur Einreise in der falschen Schlange gestanden hätte, hätte ich nach der Verspätung den Anschluß nicht mehr bekommen.
Pünktlich um kurz vor 21:00 Uhr Ortszeit bin ich in Leon, kapiere auch gleich, daß ich zum Gepäckband für internationale Flüge muß und nicht zum Inlandband. So warte ich nur noch auf meinen Koffer und meinen Seesack und warte und warte bis mir gesagt wird, daß heute nichts mehr käme.
Ich möchte mein Gepäck doch bitte beim Schalter von Mexicana reklamieren. Raus durch den Zoll, im Empfangsbereich auch kein Kollege mehr zu sehen, der mich abholen sollte. Weiter zum Check-In-Schalter von Mexicana. Nach einigem hin und her kann festgestellt werden, daß in Mexico das Umsteigen vom mir bewältigt wurde, nicht aber von meinem Gepäck. Wann es käme? Morgen, mit der ersten Maschine um 8 Uhr, ist spätestens um 9 im Hotel.
Na gut, da ich nicht weiß, wie ich meinen Abholer finden soll, der wahrscheinlich schon lange weg ist, handle ich ein Taxi aus, das mich ins Hotel bringen soll. Jetzt klingelt mein Mobiltelefon. Jemand aus unserer Zentrale in Puebla erkundigt sich, wo ich sei und das jemand unterwegs sei, mich abzuholen. Außerdem denkt man dort offensichtlich (wird mir später klar), ich sei noch in Mexico auf dem Flughafen, also Taxi rückgängig, Warten auf den Abholdienst. Die haben mich sowieso erst um 22:00 Uhr erwartet. Deswegen dachte man also, ich sei noch in Mexico. Am nächsten Tage werde ich noch einen Kollegen kennenlernen, der um 21:00 Uhr am Flughafen war, mich abzuholen. Konfusion total. Zwischenzeitlich geht im ganzen Flughafengebäude das Licht aus, großes Geschrei. Um 22:45 (5:45 MEZ) bin ich endlich im Hotel, fast 21 Stunden von Tür zu Tür. Gesamte Kommunikation auf Spanisch.
Am Abend erfahre ich noch, daß ca. 90% der Mitarbeiter des Dienstleisters von dem wir die Montagedienstleistungen hier zum 1. Januar übernehmen, bei unserer Tochtergesellschaft unterschrieben haben, d.h. die Leute kennen ihre Tätigkeiten und brauchen (zumindest dafür) nicht geschult zu werden. Hatte ich vorher schon mit gerechnet, Trotzdem: Entspannung.
Am nächsten morgen sage ich schnell an der Rezeption bescheid, daß so gegen 09:00 meine Koffer kämen, dann ins Werk. Beim ersten Rundgang erfahre ich, daß die Verantwortung und Durchführung der Instandhaltung der zu übernehmenden Montageanlagen bei General Motors (GM) verbleibt und nicht von uns geplant und durchgeführt werden muß. Damit habe ich meine Aufgaben bereits gelöst, bevor ich richtig angefangen habe. Totale Entspannung. Was mache ich die nächsten drei Wochen?
Zwischen den Feiertagen ist an der Endmontagelinie von GM Betriebsruhe, bei uns jedoch im Zusammenhang mit den neuen Aufgaben Hochbetrieb. In den Büros teilen sich in der Regel 2 Mitarbeiter einen Schreibtisch von der Größe meines in Wolfsburg oder haben deutlich kleinere Schreibtische. Das unser Tochterunternehmen in vielen Dingen besser organisiert ist als die Mutter in Deutschland, liegt sicher auch daran, daß es einfach mehr Leute gibt. Für jede Aufgabe einen zuständigen Spezialisten. Was ich in Deutschland alleine schlampig mache, machen hier mehrere entsprechend detailliert.
An der für uns wichtigsten Montagelinie, der Instrumententafel, werden zu Schulungszwecken zwei Instrumententafeln immer wieder zusammengebaut und zerlegt. Man sieht, daß die Mitarbeiter diese Tätigkeit nicht zum ersten Mal machen, eigentlich die Mitarbeiterinnen, 90% Frauen, zwischen 1,50 und 1,60 m groß, entsprechend tief gehängt sind die Werkstückträger, ich habe einen guten Überblick. Viele sehr jung. z. T. erst 19 oder 17 Jahre alt (da habe ich allerdings ein paar Zweifel, wobei, sie haben mich zuerst gefragt und leider auch fast richtig geschätzt). Mein Kollege Cord von unserer Zentrale in Puebla erklärt, daß Begrüßung mit Wangenkuß in Deutschland am Arbeitsplatz nicht üblich sei.
Auf der einen Seite der Wunsch nach Bildung, z.B.: Vorstellungen von einem Studium in den USA, der Wunsch mit mir Englisch zu sprechen (tut mir leid, ich bin hier, um mein Spanisch zu verbessern) auf der anderen Seite verwunderliche Allgemeinbildung und geographisches Vorstellungsvermögen. Unsere Unternehmenszentrale ist in Puebla, mexikanischer Bundesstaat und dessen Hauptstadt zugleich. Wo das sei? Deutschland, kleiner als Mexico? Einstellungsvoraussetzung ist Abschluß Secundaria, d.h. 10 Jahre Schule. Na gut, auch in Deutschland können nicht alle Schüler sämtliche Bundesländer aufzählen, auch nicht, als es nur 11 waren. Wie viele waren das gleich, als ich zur Schule ging? Es gibt frische Wäsche: zwei Satz Firmenkleidung, Hose und T-Shirt.
Am Abend an der Rezeption, ob denn mein Gepäck da sei. Nein, leider nicht. Das auf dem Reklamationsbeleg genannte Telefon wird nicht abgenommen. Also fährt mich mein mexikanischer Kollege, der mit mir im Hotel wohnt, zum Flughafen von Leon, nur 7 km entfernt. Ja, das Gepäck ist in Mexico. Wann es kommt? Später, mit der letzten Maschine, aber heute noch. Es wird spätestens gegen 23:00 Uhr im Hotel sein. Auf dem Rückweg überlege ich, ein paar Socken und eine Unterhose zu kaufen.
Sonnabend morgen. Hätte ich mir doch ein paar Socken gekauft. Ich rufe auf seinem Zimmer einen weiteren Kollegen an, der in Nacht aus Südafrika gekommen ist (38 Stunden Anreise, von Uitenhage über Johannesburg und Paris, von Mexico nicht im Flugzeug, sondern 5 Stunden im Auto, wer hat das gebucht?).
Das Hotel steht am Stadtrand von Silao an der vorbeiführenden Autobahn/Schnellstraße, Hoteladresse ist typischerweise der Autobahnkilometer. Wir gehen in die Stadt. Die Wohnhäuser, Zimmer für Zimmer und Stockwerk für Stockwerk gebaut, so wie Geld da ist mit den gerade verfügbaren Materialien. Die Armierung für das nächste Stockwerk steht aus der letzten Decke schon nach oben raus.
In der Stadt ist Einkaufzeit, überall zur Straße hin offene Läden und Tortillerias, kleine Markt- und Imbißstände unter Planen oder überdachten Markthallen, viel Kinderkleidung, Spielzeug, Jeans, Lebensmittel, überwiegend indigene Bevölkerung, ein wenig arm und bunt gekleidet unter greller Sonne, wie man sich als Tourist Mexico vorstellt und auch die schönsten Fotos abgäbe, wäre es mir nicht unangenehm, hier auf kürzeste Distanz zu fotographieren. Die Kirchen noch von den Festtagen geschmückt, Krippen in vielen Straßen und auf den Plätzen. Auch im Werk bei uns im Lager ist eine Krippe aufgebaut.
Auf dem Zoccalo, dem zentralen Platz mexikanischer Städte, werden wir von Kindern angesprochen, die wie ich zunächst denke, ihr Englisch ausprobieren wollen. Dann reichen sie uns Broschüren, es sind Kinder eines Zeugen Jehovas, die weise ich in der Regel zwar höflich, aber kurz zurück, aber dieser hier weiß, daß ich Deutscher bin, woher? Er hat mich gestern im Werk gesehen, (außerdem habe ich die Firmenkleidung an, was sonst) und kennt Mitglieder unserer Geschäftsleitung in Puebla, ein GM-Manager offensichtlich. Mein Kollege aus Südafrika ist obendrein mit einer Zeugin Jehovas verheiratet. Überzeugungsarbeit ist hier also nicht mehr von nöten und so nimmt das Gespräch einen ganz normalen Verlauf. Immer zunächst freundlich bleiben und schauen was passiert.
Ich kaufe Socken, unitalla (one size fits all). Bei den Unterhosen verstehe ich die Größenkennzeichnung nicht, vielleicht kommt mein Gepäck ja heute.
Am Abend ist auch mit Unterstützung meines mexikanischen Kollegen telefonisch von der Fluglinie keine Auskunft über den Verbleib meines Gepäcks zu bekommen. Also wieder zum Flughafen, zu dritt, neben mir ein breitschultriger Bure, zum Check-In-Schalter von Mexicana. Ziel: wenigstens eine adäquate Telefonnummer von KLM in Mexico zu bekommen, wo ich mir mehr Engagement verspreche. Überraschung: beim zweiten nachschauen ist der Koffer da, den Etiketten nach schon seit etwa 14:00 Uhr und es steht hier auch genug uniformiertes Personal herum, das sich zum Beispiel um nachgeliefertes Gepäck kümmern könnte, geschieht aber offensichtlich nur auf Nachfrage. Die Manager tragen Schlips und weiße Hemden, machen Zusagen – das Gepäck ins Hotel zu liefern – kümmern sich aber nicht um die Ausführung. Das wichtigste habe ich nun zunächst, fehlt nur noch der Seesack mit Sportzeug und den Schuhen. Morgen, mit der ersten Maschine.
Damit hat das Abenteuer sein Ende, höchstens daß ich Silvester noch Wanderstiefel trage.
Ein frohes neues Jahr wünscht Euch
Jörn
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