Freitag, 18. Januar 2008

Silao, 17.01.2008
Hallo liebe Freunde,

Zum Abschluß werden Werner und ich noch zum Essen eingeladen. Eine relativ teure Flasche Tequilla nehme ich als ein Zeichen der Wertschätzung und ich möchte ja kein Spielverderber sein.

Anschließend folgt das Damenprogramm im „Caballo Negro“ mit einer weiteren Flasche Tequilla, ich möchte ja kein Spielverderber sein, während die Künstlerinnen mit Bodenturnen auf dem Laufsteg und an den darauf befestigten Stangen ihre Beweglichkeit demonstrieren. Eine war richtig gut und konnte die Stange kopfüber bis zur Decke hochklettern. Aus meiner Sicht traten zunehmend Zwillingspärchen auf, die sich noch dazu im schummrigen und zugleich pulsierenden Licht ruckartig bewegten. Bei der anschließenden Einzelbetreuung verlasse ich mich daher lieber auf meinen Tastsinn.

Wirtschaftlich wird der Umsatz über die Getränke gemacht, zu denen die Dame auf dem Schoß regelmäßig auffordert, Tanzen kostet 120 Peso extra, ich bin froh, daß ich sitze und einen festen Punkt an der Wand anschauen kann, sich drehendes Licht ist mir noch nie gut bekommen.

Eine weitere Einnahmequelle findet der Tastsinn der Damen in Werners verschwundenem Portemonnaie. Werner, der den Türsteher locker überragt (sind hier alle nicht so groß), macht glaubhaft, daß er zwar die Rechnung zahlen, nicht aber ohne sein Portemonnaie gehen würde. Ich nehme meine Brille ab. Die Situation entspannt sich, als einer der Kellner ein rein zufällig gefundenes Portemonnaie bringt, es fehlen zwar 900 Peso ~ 60 €, die Kreditkarte ist aber noch vorhanden. Damit kann Werner noch 2600 Peso zahlen, er weiß aber am nächsten Tag gar nicht warum und wofür. Ich habe nur meine Vermutung.

Ich habe den Eindruck, die meisten Gäste im Club waren ganz schön betrunken. Draußen fährt ein neu ankommender Gast beim Einparken auf ein vor dem Gebäude geparktes Auto auf, bevor er ganz zum halten kommt. Unser Projektleiter kann kaum noch gehen, Gott sei dank ist er mit dem Auto da.

Beim Frühstück beschließen wir, uns wieder hinzulegen und erst mittags in die Firma zu fahren, um uns zu verabschieden. Einige unserer mexikanischen Begleiter vom Vortag sind heute krank. In der Firma hat man gar nicht mit uns gerechnet, sondern dachte aufgrund eines Mißverständnisses, wir flögen heute morgen schon nach Hause. Das wirft allerdings Fragen nach der Terminierung dieser Abschiedsfeier auf, heute morgen hätte ich unmöglich fliegen können.

Die Teilnahme an derartigen Veranstaltungen zur Festigung des Zusammenhalts oder der Beziehungen zum Kunden wird von mir erwartet und mache ich mit, um mich nicht auszuschließen oder durch Ablehnung einer freundlich gemeinten und mitunter aufwendig dargebrachten Geste die gute Beziehung zu stören, aber ich glaube, daß war das letzte mal. Die Probe aufs Exempel kommt vielleicht schon bald: mein Arbeitgeber hat für dieses Jahr einen Beratungsauftrag erhalten: in einem LKW-Werk in Rußland.

Gruß
Jörn

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